Montag, 25. August 2014

Das Gewissen der Kriegsenkel und die Beschneidung der Meinungsfreiheit

Anlass zu diesem Artikel gibt mir ein Spiegelartikel über Xavier Naidoo, eine Diskussion darüber gestern auf Facebook und ein darauf folgendes Gespräch mit Katharina aus der Autorengruppe.

Im Spiegel  wurde mit hetzerischen Mitteln und aller Gewalt versucht, Xavier Naidoo ins rechte Lager zu stellen. Die gelieferten Beweise waren dürftig bis gar nicht vorhanden: Zunächst wurde er als Schnulzensänger beschimpft, darauf aufbauend warf man ihm vor auf Montagsdemonstrationen gewesen zu sein, die meines Wissens eher links orientiert sind, zumindest hier in Mainz. Auf einer dieser Demos äußerte Naidoo Kritik an unserer Politik. Vierter Beweis für die rechte Gesinnung Naidoos sollte sein Hasssong gegen Pädophile darstellen. In diesem Zusammenhang wurde er als homophob beschimpft, als seien Homosexualität und Pädophilie das Gleiche. Hier entlarvte der Autor des Artikels lediglich seine eigene Homophobie. Hätte der Artikel in der Bild gestanden, hätte ich mich nicht gewundert, im Spiegel schockieren mich solche Hetzschriften nach wie vor.

Man kann sicher darüber streiten, ob solche Songs, die mit Fäkalsprache arbeiten und Gewalt in ihrer vollen, unmittelbaren Härte ohne Werturteile präsentieren, jugendfrei sein sollten, weil sie missverstanden werden könnten oder fehlinterpretiert, aber das Benennen der Gewalt an Kindern und die dazugehörigen Rachegefühle/-phantasien der Opfer, die in der Folge ebenso gewalttätig sind, müssen erlaubt sein. Das bricht ein Tabu, verstößt gegen den guten Geschmack, für (ehemalige) Opfer massiver Gewalt sind solche Songs aber ein Sprachrohr und Ventil, das sie ansonsten vergeblich suchen.

Da diese massive Gewalt gegen Kinder, die Naidoo besingt, vor allem in satanistischen und germanofaschistischen Gruppierungen üblich ist, könnte man unter diesem Aspekt den Song sogar als gegen Rechts bezeichnen.

Was mich aber am meisten erschreckt, unsere Generation, die Generation der Kriegsenkel, die die Schuld unserer Großelterngeneration aufgebürdet bekommen hat, weil diese sich nicht adäquat mit den Kriegsverbrechen und den dazugehörigen Verlusten auseinandergesetzt hat, ist immer wieder anfällig, sich von solchen Artikeln aufhetzen zu lassen, ohne sie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Dieser Kriegskomplex der Kriegsenkel wird von den Medien schamlos ausgenutzt, um Menschen mundtot zu bekommen und abzusägen, da reicht oftmals ein einziges falsches Wort, um einen Prominenten oder Politiker ins Aus zu katapultieren. Besonders erschreckend ist hier, dass von den Medien immer weiter die Meinungsfreiheit beschnitten wird, sobald es jemand wagt Kritik in der Öffentlichkeit zu üben, insbesondere an der Politik,  dann ufern Beschimpfungen über eine angebliche Radikalität zur Zeit dermaßen aus, dass man inzwischen von einer totalitären Beschneidung der Meinungsfreiheit reden kann.

Das über die gesamte Kindheit eingetrichterte schlechte Gewissen, das wir gefälligst für unsere Großeltern stellvertretend haben sollten, ohne jedoch die dazugehörigen Erlebnisse gehabt zu haben, um es einordnen zu können, führt tatsächlich bei vielen zu einer Wahrnehmungsverzerrung, sodass sie statt der  Beschneidung der Meinungsfreiheit, dann überall Nazis sehen, wenn ein Journalist mit dem Finger auf kritische Menschen zeigt.

Eins haben solche Journalisten aber vergessen, wir haben auch eingetrichtert bekommen, wenn Anzeichen totalitärer Macht wieder aufflammen, wie das Beschneiden der Meinungsfreiheit, diese zu erkennen und uns dagegen zur Wehr zu setzen.

Hier gehts zum Spiegelartikel:  Xavier Naidoos rechte Thesen: Vom Popstar zum Populisten
Hier zu einer weiteren Stellungnahme zur Beschneidung der Meinungsfreiheit: Political Correctness statt Meinungsfreiheit 
Stellungnahme des Mannheimer Morgen: Naidoo, ein neuer Rechter?

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