Sonntag, 14. Mai 2017

Das Sisyphusmagazin

Das Sisyphus-Magazin entwickelte sich aus der Sisyphus-Initiative, die ich gemeinsam mit Leo Allmann gründete. Sie befasst sich kritisch mit Fakenews, der Regenbogenpresse, rechten Hetzmagazinen und dem Journalismus der letzten Jahre, dessen Qualität bis 2017 mehr und mehr zu sinken schien.
Um diesem bunten Treiben im Internetzeitalter etwas entgegensetzen zu können, haben wir mit den Mitgliedern und Birgit Grunewald in der Redaktion das Sisyphus-Magazin ins Leben gerufen. Unter dem Motto Qualität statt Quantität und Schnelligkeit bieten wir gut recherchierte Artikel, Statistikanalysen, Medienkritik, Philosophisches und wissenschaftliche Artikel.

Wir freuen uns über einen Besuch auf unserer noch jungen Seite und hoffen, dass wir unseren Zielen gerecht werden können:  https://sisyphusmagazin.com/

Samstag, 15. April 2017

Folgen der Leugnung von Rassismus und Größenwahn der großen Denker

Nachdem ich einige Zettel aus meinem Zettelkasten zur Bibel auf meinem Blog veröffentlichte, möchte ich auch bei einigen noch heute gepriesenen Philosophen untersuchen, ob und welche rassistischen Ideen sie hatten, um das Aufflammen von Religions- und Völkerfeindlichkeit in christlich-humanistischen Gesellschaften besser nachvollziehen zu können.

Auch wenn die rassistischen Vorstellungen der Philosophen heute nicht mehr in die Lehre einfließen, ähnlich wie die grausamen Textstellen des neuen Testaments heute von den meisten Predigern in der Kirche nicht mehr offenbart werden, sondern peinlich unter den Teppich gekehrt werden, als gäbe es sie nicht, als seien sie nicht niedergeschrieben, werden auch in der philosophischen Lehre diese peinlichen Schriften entweder nicht gelehrt oder in ihrer Bedeutung abgewertet, indem sie auf damalige Verhältnisse oder den gesellschaftlichen Konsens reduziert werden. Aber hat man nicht Denker, um diese Vorurteile zu überwinden, die den Zeitgeist hinterfragen können sollten, um Defizite aufzudecken und Vorurteile zu überwinden?

Was ist von einer Kultur zu halten, die sämtliche Schwächen, peinlichen Schriften, Vorurteile, die Menschenverachtung ihrer großen Denker einfach leugnet, sie aus dem Diskurs heraushält?

Kann sie sich entwickeln oder bleibt sie auch im 21. Jahrhundert inhuman?

Wie kann Rassismus, Gewalt, Krieg, Vorurteil verschwinden, wenn eine Gesellschaft sich weigert sich diesen Themen in ihren Schriften zu stellen, abgesehen vom Dritten Reich, das ja bereits eine Folge dieser Gangart war. Diese Gesellschaft lernt auch nicht, dass die Bomben der Nato keine menschlicheren sind als die von Putin, Assad und anderen. Diese Gesellschaft übernimmt die Verantwortung ihrer Toten im Orient nicht, genau wie sie vergisst, dass sie zuerst gewalttätig mit einem Putsch in die Ukraine eingegriffen hat, ohne sich mit Russland auf eine Lösung zu verständigen und Putins Reaktion lediglich eine für jeden Denkenden absehbare Folge war. Mit Sanktionen gegen Russland wird die eigene Verantwortung am Konflikt geleugnet und diese Leugnung bis heute aufrecht erhalten. Der Humanist oder Christ erlebt sich weiterhin als ohne jede Schuld und Verantwortung.

Deswegen möchte ich mich nicht auf die Bibel beschränken, auf die sich viele heute gar nicht mehr beziehen, obwohl einige Werte aus ihr weiterleben, wie auch die Leugnung der Schwächen, Gewalt sowie die Religions- und Fremdenfeindlichkeit. Selbst heute fordern Politiker wider das Grundgesetz, das alle Religionen gleichstellt, Sonderregelungen für den Islam.

Wenn selbst Politiker, von denen man annehmen sollte, dass sie zumindest einen etwas überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten aufweisen, Religion und Terrorismus verwechseln, wie soll es dann der Gesellschaft, bzw. den Bürgern, die in ihr leben,  ergehen?

Wie kann die Nato seit über 15 Jahren im Orient mit gutem Gewissen im Namen Christi, der Demokratie, des Humanismus, der Menschenrechte, Menschen ermorden und schwer traumatisieren? Können das ein paar Rosenkränze oder Hilfsgüter wieder gut machen? Oder die vergleichsweise wenigen Flüchtlinge, die wir aufgenommen haben?

Wie lange schaut die Weltöffentlichkeit bei diesem grausamen Treiben der Nato schon zu, ohne sie für Völkerrechtsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen? Kann der Humanist seine Schreckenstaten nicht nur vor sich selbst verstecken, sondern auch vor anderen?
So wie der Prediger die grausamen Stellen der Bibel vor den Gläubigen versteckt? Oder die Lehre den Rassismus ihrer Denker?

Montag, 3. April 2017

Gewalt im Neuen Testament

Dem grausamen Gott des Alten Testamentes folgte nun sein Sohn, Jesus, im Neuen Testament, der nicht mehr nahezu ausschließlich grausam war, sondern auch gute Seiten hatte, die sich dem Menschen zuwendeten. Allerdings nur denjenigen, die an ihn glaubten, die anderen wurden weiter verfolgt, vernichtet oder zumindest bestraft. Jesus teilte die Welt, die zunächst im Alten Testament fast ausschließlich schlecht war, in Gut und Böse. Ein Menschenbild, das wir auch aus Comics (Superman/Batman), Trivialliteratur oder schlechten Filmen kennen. Die Grausamkeit Jahwes setzt sich also im Neuen Testament fort. Die Gläubigen (die Guten) werden zwar erlöst, geheilt, ihnen wird verziehen, sie kommen in den Himmel, die anderen aber werden bestraft und kommen in die Hölle. Mit einem solchen Menschenbild, lässt sich Krieg, Verfolgung und Rassismus ohne weiteres rechtfertigen.

Vom Weltgericht

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken. 
Da wird dann der König sagen zu denen seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! ...
Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! ... (Matthäus 25)

Hier wird das primitive Weltbild und die Spaltung der Welt, der Menschen in Gut und Böse erneut deutlich, wie wir sie auch aus Comics, von Kriegspropaganda oder von politischen Extremisten kennen. Der Mensch mit seiner Gesamtpersönlichkeit mit vielen verschiedenen Facetten (Grautönen, statt schwarz-weiß), aus Erbanlage, persönlicher Geschichte, Kultur, Bildung, situativem Handeln usw. wird hier geleugnet und eine stark vereinfachte Sicht dargeboten, die nur zu Gewalt führen kann, wenn schon der Herr diese Gewalt ankündigt und will. Wir sehen also auch im Neuen Testament keinen gewaltfreien Gott, sondern lediglich einen, der seine Gewalt besser verkaufen/vertuschen kann und nur einen erlesenen auserwählten (Gläubigen-) Kreis verschont. Aber genau dieser Glaube an das Auserwähltsein, impliziert doch, anders Denkende als minderwertig, schlecht oder sogar nicht lebenswert zu erachten, er nährt diesen Narzissmus, etwas besseres sein zu wollen, der Gewalt, Verfolgung, und auch Krieg zugrunde liegt, weil die anderen angeblich minderwertig seien. Möglicherweise weit mehr als der Rachegott des Alten Testamentes, der jeden ohne Ausnahme, der ihm nicht aufs Wort gehorchte, bestrafte.

Altes Testament

Die Bibel ist ein Regelwerk der Gruppenmoral mit Anweisungen zum Völkermord, zur Versklavung anderer Gruppen und zur Weltherrschaft. Der Gott des Alten Testaments ist - das kann man mit Fug und Recht behaupten - die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur. (Zitat von Richard Dawkins, Der Gotteswahn, S. 358;45 aus der Jesuswahn, Heinz-Werner Kubitza, S. 27)

Das ethische Dilemma besteht darin, dass im Alten Testament positiv und negativ assoziierte Texte praktisch übergangslos miteinander vebunden sind. Gottes Güte wird gelobt, eben weil er die Feinde vernichtet hat. Weil Gott treu ist, wird er die Andersgläubigen vertilgen ... (Kubitza, S. 28)


Dienstag, 28. März 2017

Schriftsteller und Künstler

Die Außenwelt beeindruckt einen Schriftsteller in solchem Maße, dass ein Rückzug unumgänglich wird, er sie in der Stille schreibend wieder abstreifen muss. Dem Künstler aber erscheint sie so öde, dass er sie beständig mitgestalten muss.

Mittwoch, 22. März 2017

Warum ich nach den Wurzeln des Rechtsrucks in Europa suche

Ausgehend von meiner These, eine Hauptverantwortung des Rechtsrucks in Europa und den USA liege ursächlich in der Bibel, sprach ich mit einigen über diese These. Durch die momentanen Entwicklungen, die ich seit Jahren beobachte, die von den meisten lange geleugnet wurden, dass eine Spaltung Europas in Gut und Böse und das Aufkommen von neuen Rechtsradikalen ein Problem werden wird, lag für mich auf der Hand, dass ein Großteil dieser Spaltung und ein Wunsch vieler, dass das Böse in Form von rechtsradikalen Parteien wieder regieren soll, mich auf die Suche nach Ursachen zu machen. Da ich selbst bei hochintelligenten Menschen und Atheisten auf großen Widerstand meiner These stieß (sowie der vorangegangenen Beobachtungen), obwohl die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen, der Kapitalismus, die neue Verarmung ohne Hunger, mit Heizung und Strom usw. keine ausreichende Erklärung sein können, veröffentliche ich hier Ausschnitte meiner Analysen.

In Ländern mit Krieg und Hunger kann ich eine Radikalisierung aufgrund der Verhältnisse durchaus nachvollziehen, weil dort versucht wird, irgendwie das Überleben zu sichern, in Europa aber muss ich mich auf meine Beobachtungen und Analysefähigkeiten verlassen.

Da die europäische Kultur aber eine lange Tradition durch Bibel und verschiedene Philosophen in der Spaltung des Menschen und der Welt besitzt, sind solche Entwicklungen auch mit vollem Bauch denkbar. Erst die Aufklärung brachte Erkenntnisse darüber, dass dieses Weltbild zu primitiv ist. Nietzsche wird heute noch von manchen verteufelt (auch hier wieder die Gut-Böse-Spaltung), weil er Gefühle und den Körper in die Philosophie integrieren wollte, da sie zum Menschen dazu gehören.

Es hat schließlich noch über 100 Jahre gedauert bis die Psychologie diesen Gedanken aufgreifen konnte und den Körper mit in die Psychotherapie integriert hat, um z.B. Traumafolgen zu minimieren oder zu heilen. Lange wurde an ein lediglich verbales Verarbeiten geglaubt, das aber für die Klienten häufig eine Retraumatisierung bedeutete.

Diese Spaltungstradition greift auch der Journalismus gerne auf, z.B. als Angela Merkel die Grenzen für Flüchtlinge öffnete, bejubelte er zunächst die Willkommenskultur, um sie später bei den ersten Problemen wieder zu verteufeln. Erst jetzt, kurz vor der Wahl, berichtet er wieder seriöser und lädt auch nicht mehr täglich AfD-Führungskräfte zu den Talkshows ein, um diese zu hypen, wie in der Vergangenheit.

Da ich der Überzeugung bin, dass sich Europa nur dann weiter entwickeln kann, wenn es auf die eigenen Wurzeln schaut und lernt sie als falsch anzuerkennen, wie die Spaltung der Welt in Gut und Böse, die Abspaltung der negativen Anteile des Menschen, der Gefühle und des Körpers, die Feindlichkeit anderen Religionen und Völkern gegenüber, die bereits in der Bibel ihre Saat haben, erst dann haben Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus wenig Chancen in unsicheren Zeiten.








Samstag, 11. März 2017

Nietzsche, Christentum und Narzissmus - Der Antichrist

Ich freue mich bei Nietzsche ähnliche Thesen zum Größenwahn und der Spaltung der Welt in Gut und Böse im Christentum gefunden zu haben, hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Antichristen:

Diese Evangelien kann man nicht behutsam genug lesen; sie haben ihre Schwierigkeiten hinter jedem Wort. Ich bekenne, man wird es mir zugute halten, daß sie ebendamit  für einen Psychologen ein Vergnügen ersten Ranges sind - als "Gegensatz" aller naiven Verderbnis, als Raffinement "par excellance", als Künstlerschaft in der psychologischen Verderbnis ...

Die Realität ist, dass hier der bewußteste "Auserwählten-Dünkel" die Bescheidenheit spielt: man hat "sich" , die "Gemeinde", die "Guten und Gerechten" ein für allemal auf die Seite gestellt, auf die "der Wahrheit" - und den Rest, "die Welt", auf die andre ... Das war die verhängnisvollste Art Größenwahn, die bisher auf Erden dagewesen ist ... (Nietzsche, Der Antichrist, 44)

-Ich gebe ein paar Proben von dem, was sich diese kleinen Leute in den Kopf  gesetzt, was sie ihrem Meister "in den Mund gelegt haben": lauter Bekenntnisse "schöner Seelen". -
"Und welche euch nicht aufnehmen noch hören, da gehet vondannen hienaus und schüttelt den Staub ab von euren Füßen, zu einem Zeugnis über sie. Ich sage euch: Wahrlich es wird Sodom und Gomorrha am Jüngsten Gericht erträglicher ergehen, denn solcher Stadt." (Markus 6,11). - Wie "evangelisch"! ...
"Und wer der Kleinen einen ärgert, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt würde und er in das Meer geworfen würde." (Markus 9, 42). - Wie "evangelisch"! ... (Nietzsche, Der Antichrist, 45)

Die Zitate aus der Bibel, die Nietzsche hier anführt, er hat noch weitere Beweise erhoben, stehen für sich und bedürfen keiner weiteren Analyse, jedoch wird hier bereits deutlich, dass der Antijudaismus, also der Antisemitismus/Rassismus unserer Kultur bereits hier verkündet und hochgehalten wird. Vielleicht noch eine Anmerkung zum Narzissmus: Auch diese Spaltung der Welt/der Menschen in Gut und Böse, der Mangel an differenziertem Denken, wenn es um andere geht, die das Christentum hier vollzieht, ist Kennzeichen von Narzissmus und anderen Persönlichkeitsstörungen.

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