Freitag, 20. Oktober 2017

Die Demokratie und ihre Nazis

Manchmal habe ich das Gefühl, ich lebe in einem anderen Land, als in dem, in dem ich aufgewachsen bin. Ich war dankbar für die Demokratie und die Freiheit, die mir und allen anderen hier geboten wurde. Ich war mir sicher, dass der Staat mich und andere vor Nationalsozialisten heute und in Zukunft schützen würde.

Ich lernte noch, dass Volksverhetzung, Nazisymbole, Rechtsextremismus, rechte Gewalt usw. verboten sind. 
Jetzt soll das plötzlich im Rahmen der Demokratie alles legal sein, wird von Vereinen, der Polizei und den Medien öffentlich unterstützt. 

Rechtsextreme Gewalt wird toleriert, kaum verfolgt, alles im Rahmen der Demokratie, während Gegner des Rechtsextremismus und der Gewalt ohne Unterstützung bleiben oder sogar selbst angegriffen und verfolgt werden. 

Ich fühle mich nicht mehr wohl mit diesem neuen "Demokratieverständnis".

Samstag, 23. September 2017

Vogelkrebs in Sculptris

Da ich mich immer einmal wieder mit dem Thema Kunstfilm auseinandersetze, mir aber die Zeit und Muse für Blender fehlt, habe ich gestern ein 3D Programm entdeckt mit dem es sich leicht modellieren lässt, mit Sculptris kann mit verschiedenen Pinseln eine Figur kreiert werden, die  hinterher im Malbereich noch angemalt werden kann (vorsicht, hier kommt man nicht in den Modelliermodus zurück). Ähnlich wie in Blender kann sie auf 3 Achsen bewegt und rotiert werden, ebenso kann eine (Boden)fläche eingezogen werden. Eigene Hintergrundbilder können importiert werden.

Theoretisch müssten sich auch einfache Animationen herstellen lassen, durch die Möglichkeit des  Bewegens auf 3 Achsen und des Rotierens düften hier schnell kleine Serien entwickelt sein, die sich in Gimp oder Photoshop zu einer Animation zusammensetzen lassen.

Komplette Filme mit komplexen Bewegungen sind hier nicht möglich, allerdings können die entworfenen Figuren in Blender (oder ein ähnliches Programm) importiert und hier mit Knochen ausgestattet werden, sodass flüssige Bewegungen möglich werden, ohne dass wie beim Zeichentrickfilm, jedes Bild einzeln entworfen werden muss.
Versucht man alles in Blender zu entwerfen, stirbt man lieber. :-) :-)

Hier meine ersten Modellierversuche:



Vogelkrebs

Samstag, 19. August 2017

Mittwoch, 21. Juni 2017

Berlin

Am Wochenende habe ich eine Basisqualifikation in Psychotraumatologie in Berlin erworben. Die Fortbildung war sehr interessant, umfangreich und sehr bereichernd. Glück hatte ich mit dem Dozenten und der Gruppe, die ein angenehmes Arbeitsklima ermöglichten.

Natürlich habe ich mir bei dieser Gelegenheit auch Berlin angeschaut und eine alte Schulfreundin getroffen. Ein rundum gelungenes Wochenende.

Hier ein paar kleine Einblicke:


 




 
 

 




Sonntag, 11. Juni 2017

Premiere Elements 15

Am Wochenende habe ich angefangen, mich in Photoshop und Premiere Elements 15 einzuarbeiten. Blender ist leider zu umfangereich, um es mal schnell nebenher zu lernen. Es ist auch nicht selbsterklärend wie die meisten Programme, sondern jeder kleine Schritt muss neu erlernt und eingeprägt werden, das fängt bei der Maus an, die hier anders belegt wird und endet bei selbst erschaffenen Figuren aus 3 D-Elementen, wie Kubus, mit Knochen, die richtig eingefügt, sich entsprechend bewegen können und bei einem daraus entworfenen Film. Da nichts vorgegeben ist, muss alles erst einmal selbst entwickelt werden, vom Grashalm bis zum animierten Film. Ein Wochenende reicht vielleicht aus, um einige Basics zu erlernen, kommt man aber eine Weile nicht dazu, kann man wieder von vorne beginnen, deswegen habe ich das Unternehmen erst einmal verworfen und versuche mich jetzt auf Premiere Elements zu beschränken in Kombination mit Photoshop. Da man in Photoshop auch malen kann und aus einer Bilderserie auch einen Kurzfilm entwickeln kann, muss das für den Anfang genügen. Beide Programme sind Anwenderprogramme und fast selbsterklärend, bestimmte Bereiche wie das Arbeiten auf Ebenen muss man sich auch kurz aneignen, das ist aber nicht wirklich schwer zu erlernen.

Zwei kleine Testvideos habe ich fabriziert, wenn man eigene Effekte entwickeln oder einigermaßen gut malen oder zeichnen damit will, benötigt man allerdings ein Grafikpad und irgendwann dann auch eine gute Kamera.

video video

Sonntag, 14. Mai 2017

Das Sisyphusmagazin

Das Sisyphus-Magazin entwickelte sich aus der Sisyphus-Initiative, die ich gemeinsam mit Leo Allmann gründete. Sie befasst sich kritisch mit Fakenews, der Regenbogenpresse, rechten Hetzmagazinen und dem Journalismus der letzten Jahre, dessen Qualität bis 2017 mehr und mehr zu sinken schien.
Um diesem bunten Treiben im Internetzeitalter etwas entgegensetzen zu können, haben wir mit den Mitgliedern und Birgit Grunewald in der Redaktion das Sisyphus-Magazin ins Leben gerufen. Unter dem Motto Qualität statt Quantität und Schnelligkeit bieten wir gut recherchierte Artikel, Statistikanalysen, Medienkritik, Philosophisches und wissenschaftliche Artikel.

Wir freuen uns über einen Besuch auf unserer noch jungen Seite und hoffen, dass wir unseren Zielen gerecht werden können:  https://sisyphusmagazin.com/

Samstag, 15. April 2017

Folgen der Leugnung von Rassismus und Größenwahn der großen Denker

Nachdem ich einige Zettel aus meinem Zettelkasten zur Bibel auf meinem Blog veröffentlichte, möchte ich auch bei einigen noch heute gepriesenen Philosophen untersuchen, ob und welche rassistischen Ideen sie hatten, um das Aufflammen von Religions- und Völkerfeindlichkeit in christlich-humanistischen Gesellschaften besser nachvollziehen zu können.

Auch wenn die rassistischen Vorstellungen der Philosophen heute nicht mehr in die Lehre einfließen, ähnlich wie die grausamen Textstellen des neuen Testaments heute von den meisten Predigern in der Kirche nicht mehr offenbart werden, sondern peinlich unter den Teppich gekehrt werden, als gäbe es sie nicht, als seien sie nicht niedergeschrieben, werden auch in der philosophischen Lehre diese peinlichen Schriften entweder nicht gelehrt oder in ihrer Bedeutung abgewertet, indem sie auf damalige Verhältnisse oder den gesellschaftlichen Konsens reduziert werden. Aber hat man nicht Denker, um diese Vorurteile zu überwinden, die den Zeitgeist hinterfragen können sollten, um Defizite aufzudecken und Vorurteile zu überwinden?

Was ist von einer Kultur zu halten, die sämtliche Schwächen, peinlichen Schriften, Vorurteile, die Menschenverachtung ihrer großen Denker einfach leugnet, sie aus dem Diskurs heraushält?

Kann sie sich entwickeln oder bleibt sie auch im 21. Jahrhundert inhuman?

Wie kann Rassismus, Gewalt, Krieg, Vorurteil verschwinden, wenn eine Gesellschaft sich weigert sich diesen Themen in ihren Schriften zu stellen, abgesehen vom Dritten Reich, das ja bereits eine Folge dieser Gangart war. Diese Gesellschaft lernt auch nicht, dass die Bomben der Nato keine menschlicheren sind als die von Putin, Assad und anderen. Diese Gesellschaft übernimmt die Verantwortung ihrer Toten im Orient nicht, genau wie sie vergisst, dass sie zuerst gewalttätig mit einem Putsch in die Ukraine eingegriffen hat, ohne sich mit Russland auf eine Lösung zu verständigen und Putins Reaktion lediglich eine für jeden Denkenden absehbare Folge war. Mit Sanktionen gegen Russland wird die eigene Verantwortung am Konflikt geleugnet und diese Leugnung bis heute aufrecht erhalten. Der Humanist oder Christ erlebt sich weiterhin als ohne jede Schuld und Verantwortung.

Deswegen möchte ich mich nicht auf die Bibel beschränken, auf die sich viele heute gar nicht mehr beziehen, obwohl einige Werte aus ihr weiterleben, wie auch die Leugnung der Schwächen, Gewalt sowie die Religions- und Fremdenfeindlichkeit. Selbst heute fordern Politiker wider das Grundgesetz, das alle Religionen gleichstellt, Sonderregelungen für den Islam.

Wenn selbst Politiker, von denen man annehmen sollte, dass sie zumindest einen etwas überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten aufweisen, Religion und Terrorismus verwechseln, wie soll es dann der Gesellschaft, bzw. den Bürgern, die in ihr leben,  ergehen?

Wie kann die Nato seit über 15 Jahren im Orient mit gutem Gewissen im Namen Christi, der Demokratie, des Humanismus, der Menschenrechte, Menschen ermorden und schwer traumatisieren? Können das ein paar Rosenkränze oder Hilfsgüter wieder gut machen? Oder die vergleichsweise wenigen Flüchtlinge, die wir aufgenommen haben?

Wie lange schaut die Weltöffentlichkeit bei diesem grausamen Treiben der Nato schon zu, ohne sie für Völkerrechtsverbrechen zur Verantwortung zu ziehen? Kann der Humanist seine Schreckenstaten nicht nur vor sich selbst verstecken, sondern auch vor anderen?
So wie der Prediger die grausamen Stellen der Bibel vor den Gläubigen versteckt? Oder die Lehre den Rassismus ihrer Denker?

Montag, 3. April 2017

Gewalt im Neuen Testament

Dem grausamen Gott des Alten Testamentes folgte nun sein Sohn, Jesus, im Neuen Testament, der nicht mehr nahezu ausschließlich grausam war, sondern auch gute Seiten hatte, die sich dem Menschen zuwendeten. Allerdings nur denjenigen, die an ihn glaubten, die anderen wurden weiter verfolgt, vernichtet oder zumindest bestraft. Jesus teilte die Welt, die zunächst im Alten Testament fast ausschließlich schlecht war, in Gut und Böse. Ein Menschenbild, das wir auch aus Comics (Superman/Batman), Trivialliteratur oder schlechten Filmen kennen. Die Grausamkeit Jahwes setzt sich also im Neuen Testament fort. Die Gläubigen (die Guten) werden zwar erlöst, geheilt, ihnen wird verziehen, sie kommen in den Himmel, die anderen aber werden bestraft und kommen in die Hölle. Mit einem solchen Menschenbild, lässt sich Krieg, Verfolgung und Rassismus ohne weiteres rechtfertigen.

Vom Weltgericht

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken. 
Da wird dann der König sagen zu denen seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! ...
Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! ... (Matthäus 25)

Hier wird das primitive Weltbild und die Spaltung der Welt, der Menschen in Gut und Böse erneut deutlich, wie wir sie auch aus Comics, von Kriegspropaganda oder von politischen Extremisten kennen. Der Mensch mit seiner Gesamtpersönlichkeit mit vielen verschiedenen Facetten (Grautönen, statt schwarz-weiß), aus Erbanlage, persönlicher Geschichte, Kultur, Bildung, situativem Handeln usw. wird hier geleugnet und eine stark vereinfachte Sicht dargeboten, die nur zu Gewalt führen kann, wenn schon der Herr diese Gewalt ankündigt und will. Wir sehen also auch im Neuen Testament keinen gewaltfreien Gott, sondern lediglich einen, der seine Gewalt besser verkaufen/vertuschen kann und nur einen erlesenen auserwählten (Gläubigen-) Kreis verschont. Aber genau dieser Glaube an das Auserwähltsein, impliziert doch, anders Denkende als minderwertig, schlecht oder sogar nicht lebenswert zu erachten, er nährt diesen Narzissmus, etwas besseres sein zu wollen, der Gewalt, Verfolgung, und auch Krieg zugrunde liegt, weil die anderen angeblich minderwertig seien. Möglicherweise weit mehr als der Rachegott des Alten Testamentes, der jeden ohne Ausnahme, der ihm nicht aufs Wort gehorchte, bestrafte.

Altes Testament

Die Bibel ist ein Regelwerk der Gruppenmoral mit Anweisungen zum Völkermord, zur Versklavung anderer Gruppen und zur Weltherrschaft. Der Gott des Alten Testaments ist - das kann man mit Fug und Recht behaupten - die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur. (Zitat von Richard Dawkins, Der Gotteswahn, S. 358;45 aus der Jesuswahn, Heinz-Werner Kubitza, S. 27)

Das ethische Dilemma besteht darin, dass im Alten Testament positiv und negativ assoziierte Texte praktisch übergangslos miteinander vebunden sind. Gottes Güte wird gelobt, eben weil er die Feinde vernichtet hat. Weil Gott treu ist, wird er die Andersgläubigen vertilgen ... (Kubitza, S. 28)


Dienstag, 28. März 2017

Schriftsteller und Künstler

Die Außenwelt beeindruckt einen Schriftsteller in solchem Maße, dass ein Rückzug unumgänglich wird, er sie in der Stille schreibend wieder abstreifen muss. Dem Künstler aber erscheint sie so öde, dass er sie beständig mitgestalten muss.

Mittwoch, 22. März 2017

Warum ich nach den Wurzeln des Rechtsrucks in Europa suche

Ausgehend von meiner These, eine Hauptverantwortung des Rechtsrucks in Europa und den USA liege ursächlich in der Bibel, sprach ich mit einigen über diese These. Durch die momentanen Entwicklungen, die ich seit Jahren beobachte, die von den meisten lange geleugnet wurden, dass eine Spaltung Europas in Gut und Böse und das Aufkommen von neuen Rechtsradikalen ein Problem werden wird, lag für mich auf der Hand, dass ein Großteil dieser Spaltung und ein Wunsch vieler, dass das Böse in Form von rechtsradikalen Parteien wieder regieren soll, mich auf die Suche nach Ursachen zu machen. Da ich selbst bei hochintelligenten Menschen und Atheisten auf großen Widerstand meiner These stieß (sowie der vorangegangenen Beobachtungen), obwohl die gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen, der Kapitalismus, die neue Verarmung ohne Hunger, mit Heizung und Strom usw. keine ausreichende Erklärung sein können, veröffentliche ich hier Ausschnitte meiner Analysen.

In Ländern mit Krieg und Hunger kann ich eine Radikalisierung aufgrund der Verhältnisse durchaus nachvollziehen, weil dort versucht wird, irgendwie das Überleben zu sichern, in Europa aber muss ich mich auf meine Beobachtungen und Analysefähigkeiten verlassen.

Da die europäische Kultur aber eine lange Tradition durch Bibel und verschiedene Philosophen in der Spaltung des Menschen und der Welt besitzt, sind solche Entwicklungen auch mit vollem Bauch denkbar. Erst die Aufklärung brachte Erkenntnisse darüber, dass dieses Weltbild zu primitiv ist. Nietzsche wird heute noch von manchen verteufelt (auch hier wieder die Gut-Böse-Spaltung), weil er Gefühle und den Körper in die Philosophie integrieren wollte, da sie zum Menschen dazu gehören.

Es hat schließlich noch über 100 Jahre gedauert bis die Psychologie diesen Gedanken aufgreifen konnte und den Körper mit in die Psychotherapie integriert hat, um z.B. Traumafolgen zu minimieren oder zu heilen. Lange wurde an ein lediglich verbales Verarbeiten geglaubt, das aber für die Klienten häufig eine Retraumatisierung bedeutete.

Diese Spaltungstradition greift auch der Journalismus gerne auf, z.B. als Angela Merkel die Grenzen für Flüchtlinge öffnete, bejubelte er zunächst die Willkommenskultur, um sie später bei den ersten Problemen wieder zu verteufeln. Erst jetzt, kurz vor der Wahl, berichtet er wieder seriöser und lädt auch nicht mehr täglich AfD-Führungskräfte zu den Talkshows ein, um diese zu hypen, wie in der Vergangenheit.

Da ich der Überzeugung bin, dass sich Europa nur dann weiter entwickeln kann, wenn es auf die eigenen Wurzeln schaut und lernt sie als falsch anzuerkennen, wie die Spaltung der Welt in Gut und Böse, die Abspaltung der negativen Anteile des Menschen, der Gefühle und des Körpers, die Feindlichkeit anderen Religionen und Völkern gegenüber, die bereits in der Bibel ihre Saat haben, erst dann haben Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus wenig Chancen in unsicheren Zeiten.








Samstag, 11. März 2017

Nietzsche, Christentum und Narzissmus - Der Antichrist

Ich freue mich bei Nietzsche ähnliche Thesen zum Größenwahn und der Spaltung der Welt in Gut und Böse im Christentum gefunden zu haben, hier ein kleiner Ausschnitt aus dem Antichristen:

Diese Evangelien kann man nicht behutsam genug lesen; sie haben ihre Schwierigkeiten hinter jedem Wort. Ich bekenne, man wird es mir zugute halten, daß sie ebendamit  für einen Psychologen ein Vergnügen ersten Ranges sind - als "Gegensatz" aller naiven Verderbnis, als Raffinement "par excellance", als Künstlerschaft in der psychologischen Verderbnis ...

Die Realität ist, dass hier der bewußteste "Auserwählten-Dünkel" die Bescheidenheit spielt: man hat "sich" , die "Gemeinde", die "Guten und Gerechten" ein für allemal auf die Seite gestellt, auf die "der Wahrheit" - und den Rest, "die Welt", auf die andre ... Das war die verhängnisvollste Art Größenwahn, die bisher auf Erden dagewesen ist ... (Nietzsche, Der Antichrist, 44)

-Ich gebe ein paar Proben von dem, was sich diese kleinen Leute in den Kopf  gesetzt, was sie ihrem Meister "in den Mund gelegt haben": lauter Bekenntnisse "schöner Seelen". -
"Und welche euch nicht aufnehmen noch hören, da gehet vondannen hienaus und schüttelt den Staub ab von euren Füßen, zu einem Zeugnis über sie. Ich sage euch: Wahrlich es wird Sodom und Gomorrha am Jüngsten Gericht erträglicher ergehen, denn solcher Stadt." (Markus 6,11). - Wie "evangelisch"! ...
"Und wer der Kleinen einen ärgert, die an mich glauben, dem wäre es besser, daß ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt würde und er in das Meer geworfen würde." (Markus 9, 42). - Wie "evangelisch"! ... (Nietzsche, Der Antichrist, 45)

Die Zitate aus der Bibel, die Nietzsche hier anführt, er hat noch weitere Beweise erhoben, stehen für sich und bedürfen keiner weiteren Analyse, jedoch wird hier bereits deutlich, dass der Antijudaismus, also der Antisemitismus/Rassismus unserer Kultur bereits hier verkündet und hochgehalten wird. Vielleicht noch eine Anmerkung zum Narzissmus: Auch diese Spaltung der Welt/der Menschen in Gut und Böse, der Mangel an differenziertem Denken, wenn es um andere geht, die das Christentum hier vollzieht, ist Kennzeichen von Narzissmus und anderen Persönlichkeitsstörungen.

Christentum und Narzissmus

In den vorangegangenen Postings habe ich mich bereits geäußert, einen Zusammenhang zwischen Christentum und Faschismus zu sehen. Christentum und Faschismus haben eine große Gemeinsamkeit, die im Narzissmus, im Größenwahn ihrer Ideen und Ideale besteht.

Während der Koran z.B. Jesus und Mohammed als zwei von vielen Propheten beschreibt, besteht die Bibel darauf, Christus als Gott oder Sohn Gottes zu sehen. Hier ist der Größenwahn und der faschistische Ansatz bereits in voller Konsequenz sichtbar, ein Nebeneinander wird nicht toleriert, wird von Vornherein ausgeschlossen, da sich Jesus nicht als Prophet oder als Mensch verstehen kann, sondern die Wahrheit und Macht (als Gott) für sich gepachtet sehen will. Ähnlich wie im Faschismus werden andere Meinungen und Glaubensrichtungen also nicht toleriert.

Ich werde mich hier auf Gedankenfetzen nur mit kleinen Analysen aus meinem Zettelkasten begnügen, ein größeres Essay wird an anderer Stelle folgen.

Zur Erklärung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung nach DSM IV, siehe Kriterien der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

Außer dem Anspruch Gott sein zu wollen und vor allem als solcher bewundert und anerkannt zu sein, lassen sich auch in vielen Textstellen der Bibel narzisstische Positionen beweisen, eine will ich mir heute vornehmen:

Maria und Marta
 Als Jesus und seine Jünger weiterzogen, kamen sie in ein Dorf, in dem er von einer Frau mit Namen Marta gastlich aufgenommen wurde. Sie hatte eine Schwester mit Namen Maria, die setzte sich zu Jesus und hörte ihm zu. Marta dagegen hatte alle Hände voll zu tun. Sie trat zu Jesus und sagte: "Herr, kümmert es dich nicht, dass mich meine Schwester die ganze Arbeit allein tun lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll." Der Herr antwortete ihr: "Marta, Marta, du sorgst und mühst dich um so viele Dinge, aber nur eins ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt und das soll ihr nicht weggenommen werden."
Neues Testament, Lucas 10, 38-42 

Auch hier steckt, wie im Anspruch Gott sein zu wollen, die narzisstische Pathologie Jesu im Text: Was steckt hinter Jesus Antwort? Er vermittelt Marta eindeutig, deine Arbeit, deine Ansprüche sind nichts wert, alleine die Bewunderung meiner Person ( ... aber nur eins ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt ... ) ist etwas wert/lohnt sich/wird gefordert und gefördert. Und weiter gedacht: Deine Schwester braucht sich nicht sozial und gerecht dir gegenüber verhalten, so lange sie mich bewundert. 
Hier wird das asoziale Verhalten Marias gefördert, alleine weil sie ihre Bewunderung dem "Herrn" gegenüber zeigt, also sein Ich-Ideal spiegelt. Wie ein Narzisst oder Faschist stellt Jesus hier die eigene Bewunderung vor alle anderen Werte (vor die Gerechtigkeit, vor soziales Verhalten, vor die Gleichberechtigung der Schwestern).
Von der an anderer Stelle gepredigten Nächstenliebe ist hier in Wort und Tat nichts mehr übrig geblieben, wenn die Bewunderung (Martas) fehlt und sogar leise Kritik an Jesu geübt wird (er fordert die Schwester nicht zum Helfen auf oder hilft gar selbst, bemängelt Marta ), steht ihr aus Jesu Sicht weder Hilfe, noch Gerechtigkeit noch Gleichberechtigung zu. Hier fehlt Jesus wie Narzissten und Faschisten Empathie und ein Gewissen (Über-Ich, Eltern-Ich), die Möglichkeit zur Reflektion des eigenen Verhaltens sowie die Möglichkeit einer Korrektur des eigenen Fehlers.

 

 

 

Sonntag, 5. März 2017

Tabuisierte Zusammenhänge

Zu den aufgestellten Thesen und Fragestellungen des letzten Blogeintrages Christentum - Humanismus - Faschismus versuche ich derzeit Literatur zu finden, nicht leicht, es scheint sich hier um ein Tabuthema zu handeln, diese Phänomene in einen Zusammenhang zu bringen.
Zwei Bücher, die ich bestellt habe, scheinen jedoch nützlich werden zu können, eins von einem Theologen und eins von einem Psychoanalytiker. Ich warte schon mit Spannung seit einer Woche auf sie. Derzeit gebe ich mich mit den Texten zur Menschenwürde des Reclamverlages zufrieden, in denen bereits viele größenwahnsinnige Ideen wie in der Bibel selbst zu finden sind, die ja auch dem Faschismus zugrunde liegen. Es ist also nicht verwunderlich, dass ausgerechnet ein Psychoanalytiker sich mit diesem Thema befasst hat: narzisstische Positionen ohne Ende.

Ich hoffe also bald eine Analyse vorlegen zu können, die meine Thesen belegen. Entgegen meinen Ankündigungen, mich mit einem solchen Projekt derzeit nicht nebenher beschäftigen zu können, packt mich dieses Thema so, dass ich nicht umhin komme, es doch zu tun.

Derzeit versuche ich mit einigen Leuten aus einer Online-Philosophiegruppe ein Magazin aufzubauen. Ob die Analyse dort oder auf Gedankenfetzen erscheint, steht noch in den Sternen, da ich solche Projekte ja immer nur nebenher mitgestalten kann. Falls die Analyse dort erscheinen sollte, werde ich sie aber auf jeden Fall auf Gedankenfetzen verlinken.

Sonntag, 26. Februar 2017

Gedankenfetzen: Christentum, Humanismus und Faschismus

Gedankenfetzen: Christentum, Humanismus und Faschismus:  Kulturen, die von christlichen und humanistischen Ideologien geprägt sind, neigen immer wieder dazu, rechts zu wählen und in rechte Dikta...

Christentum, Humanismus und Faschismus

 Kulturen, die von christlichen und humanistischen Ideologien geprägt sind, neigen immer wieder dazu, rechtsradikal zu wählen und in rechte Diktaturen zurückzufallen. Wo seht ihr die Ursache in diesen Ideologien? Ist es, wie Nietzsche sagt, weil jede Ideologie gefährlich ist? Aber warum dann ausgerechnet rechts, wenn in der marxistischen Ideologie die christlichen und humanistischen Werte viel naheliegender scheinen als in menschenverachtenden faschistischen Ideologien? Ist der Mensch so primitiv geblieben, dass er in Krisenzeiten lediglich in der Lage ist, die alten Werte in ihr Gegenteil zu kehren, anstatt nach Lösungen zu suchen oder etwas Neues, Besseres zu entwickeln?  Bleibt der humanistisch geprägte Mensch in archaischen Denkmustern hängen, bzw. wird auf sie zurückgeworfen? Diese Erklärung erscheint mir jedoch zu einfach, auf welche humanistischen oder christlichen Thesen und/oder Praktiken lässt sich dieses Verhalten zurückführen? Welche Rolle spielt die Doppelmoral dieser Gesellschaften?

Gerne würde ich diese Fragen tiefgreifend untersuchen, leider im Moment ein zu großes Projekt, um es neben meinem Beruf und anderen Projekten stemmen zu können.

Montag, 16. Januar 2017

Nietzsche: der Körper - Wutbürger - die Vernunft und der Übermensch



In der Mann mit der Laterne (Die fröhliche Wissenschaft) zeigt Nietzsche auf, was es für die Menschen bedeutet, wenn sie Gott einfach töten, er weist auf die Gefahren hin, wenn Gott als Führer und Sinnstifter fehlt, auch wenn er nur ein abgespaltenes Ich-Ideal des Menschen war, menschlich konstruiert, mit menschlichen Eigenschaften versehen, der Ge- und Verbote vorgab. 

Entgegen Kant behauptet Nietzsche, es gäbe keine Vernunft ohne Einbeziehung des Körpers, der eine übergeordnete Vernunft schaffen wollte, die man durch das Denken alleine erreichen könne, die es aber für Nietzsche nicht gab, da hier lediglich der Körper dem Geist unterworfen werden sollte. 

Die tatsächliche autonome Menschwerdung (Übermensch) durchläuft laut Nietzsche drei Entwicklungsstufen: die des Kamels als Herdentier, das sich an ein Leittier anpasst, die des Löwen, der brüllend ohne sinnstiftende Werte ins Nichts fällt, nachdem er sich von den Werten der Kamelstufe losgesagt hat, ohne noch zu verstehen, dass er selbst Werte und einen Sinn für das eigene Leben entwickeln muss, erst auf der dritten Stufe, der des Kindes, verlässt der Mensch die Tierstufen, um eigene Werte, eine eigene Vernunft und einen eigenen Sinn zu entwickeln. 

Dieser neue Mensch, der aus eigener Kraft Werte, Vernunft und Sinnstiftung seinem Leben gegeben hat, ist nach Nietzsche der neue autonome Mensch, der individuell und auch spielerisch kreativ sein Leben gestalten kann. Erst der selbstbestimmte Mensch, der keine Führung von oben oder eine Diktatur des Geistes über den Körper mehr benötigt, sondern eine eigene Vernunft entwickelt hat, hat die Menschwerdung erreicht, die Tierstufen (Kamel und Löwe) überwunden; Nietzsche bezeichnet den autonomen Menschen als Übermenschen. Der Übermensch hat also die Herrschaft über den eigenen Geist und Körper gewonnen, ohne das eine oder andere zu leugnen oder den einen dem anderen zu unterwerfen, er hat eine eigene Vernunft entwickelt und ist der Dirigent seines eigenen Lebens, benötigt hierfür keine Ideologie und keinen Leithirten mehr.

Im Grunde entsprechen Nietzsches Entwicklungsstufen der Menschwerdung auch den groben Stufen einer gesunden Entwicklung in der Psychologie: in der Kindheit lernt das Kind sich führen zu lassen und sich anzupassen (Kamel), in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter wirft es alle Werte, die Vernunft und Sinnstiftungen, die von Eltern und der Gesellschaft vorgegeben waren um und tobt erst einmal scheinbar Sinn frei durchs Leben, erst wenn alle Werte umgestoßen, ausgetestet, neu beleuchtet wurden, neu gestaltet oder doch als richtig empfunden wurden, tritt der Mensch ins Erwachsenenalter ein mit einer selbstbestimmten Lebensweise und eigenen Vernunft.

Laut Nietzsche erreichen aber nur sehr wenige Menschen die Entwicklungsstufe 3 der Menschwerdung (Erwachsenenalter, bei N.: das Kind) des autonomen Menschen (Übermenschen), sondern fallen immer wieder auf frühere Entwicklungsstufen zurück, die des Kamels oder die des Löwen.

Durch Nietzsches Philosophie der Menschwerdung (Übermensch, Umwertung der Werte) lassen sich gut die neuen Entwicklungen in den westlichen Ländern, auch das Aufkommen von rechten Bewegungen erklären: Durch den Mauerfall wurden der ostdeutschen Bevölkerung die sozialistischen Werte genommen. Das war zunächst kein Problem, da die Bevölkerung für demokratische Werte offen war, der Osten befand sich im Aufbruch zu neuen Werten, also im Übergang zur Menschwerdung (laut Nietzsche). Durch die Agenda 2010 Gerhard Schröders wurden aber sozialdemokratische Werte weitgehend abgeschafft wie angemessenes Einkommen, Würde des Menschen, freie Berufswahl pp., die Werte verschoben sich zugunsten des Kapitals und waren nur wenigen Eliten zuträglich. Der Arbeiter wurde wieder vom Bürger zur Ware degradiert und zwischen Zeitarbeitsfirmen, Jobcenter, Maßnahmen und verschiedenen Arbeitgebern hin- und hergeschoben, an dem alle Beteiligten verdienten, nur der Arbeiter selbst konnte von seinem Gehalt nicht mehr angemessen leben. Auch die Mittelschicht geriet in Gefahr und bekam nur noch selten feste Arbeitsverträge, angemessene Entlohnungen oder Verbeamtungen.

Lange befand sich die Bevölkerung hier in der Kamelphase (Anpassung, Gehorchen (Kindheit)), um die Wirtschaftskraft des Landes zu unterstützen.

Nachdem die Wirtschaft sich erholt hatte und die Bürger merkten, dass sie von dem großen Kuchen weiterhin nichts abbekamen, sondern allenfalls mit Almosen abgespeist wurden (z.B. Mindestlohn, einige Strafbeschränkungen der Jobcenter pp.) befindet sich ein großer Teil der Bevölkerung, der die Kindphase (Übermensch) noch nicht erreicht hat, in der Löwenphase: orientierungslos, ohne Wertekontext stampfen sie wutentbrannt durchs Land und versuchen die restlichen demokratischen Werte auch noch zu vernichten durch rechte menschenverachtende Parolen. Irrwitziger Weise ziemlich genau 13-14 Jahre nach Einführen der Agenda 2010, zur gleichen Zeit, in der sich ein Mensch in der Pubertät befindet und ein ähnliches Verhalten an den Tag legt.

Fatalerweise entwickeln die Menschen aber keine eigenen neuen Werte und Ziele, um die Menschwerdung abzuschließen, sondern fallen in die Kamelphase zurück, in der sie durch die Orientierungslosigkeit der Löwenphase, leichtes Opfer für Hassprediger und rechte Gruppierungen werden, denen sie sich kritiklos anschließen.

Hier können wir wohl nur mit Nietzsche hoffen, dass möglichst viele von ihnen die Menschwerdung mit der Entwicklung neuer Werte und Vernunft noch vollziehen und aus den wütenden, menschenverachtenden Leuten, autonome, individuelle Menschen werden.

Quellen: Nietzsche: Also sprach Zarathustra, Menschliches - Allzumenschliches, Zur Genealogie der Moral

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