Sonntag, 4. September 2016

Kollegengespräche - Nietzsche, Macht und Erotik - 1

Danke, Anja Wurm, für die Aufnahme dieses Dialogs. Schon in der Philosophiegruppe, in der wir das Thema angeschnitten haben, polarisierte das Thema sehr stark. Nun unter der Reformulierung des Themas zu Nietzsche, Macht und Erotik werde ich erst einmal zu diesen drei Themen Stellung beziehen. Nietzsche ist ein Philosoph, der sehr polarisiert, einige sehen in ihm den Wegbereiter des Faschismus, oder den Zerstörer der Vernunft  (Adorno), andere schätzen ihn wiederum in seinen aphoristischen kurzen Stellungsnahmen, die in jeder Hinsicht sehr differenziert sind und alle möglichen gesellschaftlichen Themenbereiche aufgreifen, sie schätzen vor allem sein genealogisches und nomadisches Denken, dazu gehöre ich. Friedrich Nietzsche hat sich in vielen Punkten eigentlich herablassend gegenüber Frauen geäußert, dies ist aber meiner Meinung nach eine eher oberflächliche Betrachtung der frühen Werke, die vor allem auf "Menschliches, Allzumenschliches" zurückgeht, später sind seine Aussagen auf den Themenbereich Macht fokussiert.

Für Macht gibt es verschiedene Diskussionsansätze, man unterscheidet zwischen der persönlichen Macht, die in der Kompetenz einer Person liegt sowie in ihren Möglichkeiten und der Macht, die in einer institutionellen Position liegt; des Weiteren gibt es verschiedene Positionen zum Thema Macht, Max Weber, der auch schon in der Eingangsdiskussionen zur Sprache kam, hat eine sehr sinnvolle nietzscheanische Definition geliefert, diese besagt: Macht soll heißen, die Chance den eigenen Willen gegen den Widerstand durch Dritte durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.

Andere Ansätze, wie zum Beispiel von Michel Foucault sind ebenso nietzscheanische Positionen, doch beschreiben sie eine Mikrophysik der Macht, die auch eine Überwindung der Repressionshypothese Freuds darstellt, indem Macht vor allem als proaktiv anregend fördernd gesehen wird und nicht in erster Linie als einschränkend. Hier wird vor allem das Wie der Macht und nicht das Was der Macht betrachtet, das heißt, es geht eher um komplexe Zusammenhänge, was Machtverhältnisse sind.
Hier entwickelte Foucault zum einen das Konzept der Disziplinarmacht, also der Macht, die direkt auf den Körper abzielt, und das der Biomacht, also der Macht, die auf die Bevölkerung abzielt. Diese Ansätze von Macht will ich als erstes in den Raum stellen.

Zu Erotik: Erotik ist ein Feld, dass in der Psychoanalyse vor allem von Herbert Marcuse bearbeitet wurde in "Der eindimensionale Mensch". Marcuse beschreibt hier die enge Verknüpfung von Kapitalismus und Erotik, die sich wechelseitig verstärken; innerhalb der gender studies wird Erotik  als etwas Problematisches betrachtet, da es als gesellschaftlich normativ konstruiertes Feld gilt und  männliche wie weibliche Verhaltensweisen als Allianz gesehen werden, die völlig geschlechtsunspezifisch betrachtet werden.

Bei der Erotik geht es vor allem um eine zentrale Frage: Darf  sie zur Machterlangung eingesetzt werden? Wenn sie einsetzt wird, ist das legitim? Ist das billig? Ist das angebracht? Oder sollte aus professionellen Gründe darauf verzichten? Schadet die Anwendung von Erotik? Wie steht es um die den Einsatz von Erotik im Berufsleben? Wie ist es mit Erotik als Machtfaktor innerhalb von Partnerschaften?

Nun will ich das Wort an Anja Wurm übergeben, einleitende Gedanken zu dem Thema habe ich nun dargelegt.

Weiter zu: Nietzsche und Faschismus?

Simon Reiss

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