Mittwoch, 10. September 2014

Rechtes Gedankengut und Bildung

Bildung für alle, ein hohes Ziel, erstrebenswert. Bildung fördert Kritikfähigkeit, eigene Meinung für jeden, ein großes Ziel.  Doch was läuft verkehrt, wenn Bildung zu totalitärem Gedankengut, Fanatismus, Krieg und rechtem Wahlergebnis in Europa führt? Woran krankt Europa, woran scheitert die Bildung?

Warschau

Warschau ist wirklich eine Reise wert. Ich habe mir die Stadt spannend und interessant vorgestellt, meine Erwartungen wurden allerdings weit übertroffen. Eine wunderschöne Altstadt, prachtvolle Schlösser, Parks, Kirchen, eindrucksvolle Hochhäuser, gutes preiswertes Essen, viele tolle Einkaufsmöglichkeiten, eine Großstadt wie aus dem Bilderbuch.

So viele Hochzeiten in solch kurzer Zeit wie in Warschau habe ich noch nie gesehen, Warschau hat 500 katholische Kirchen und diese scheinen auch alle genutzt zu werden, das wäre hier hier kaum vorstellbar.

Unser Stadtführer am Samstag war gewöhnungsbedürftig, unsere Neugier, Film- und Fotographieleidenschaft kommentierte er mit "ich habe vier Gruppen zu betreuen" -  wir waren zu viert unterwegs.
Auch das war spannend, wir waren das erste Mal zusammen im Urlaub, es verlief jedoch harmonischer als erwartet.

























Donnerstag, 4. September 2014

Bildung der kriegerischen Masse

Wie  kommt es aber zur "Bildung" der kriegerischen Masse? ...
Es ist ein ganz erstaunliches Unternehmen. Man beschließt, dass man mit physischer Vernichtung bedroht ist, und verkündet diese Bedrohung öffentlich vor aller Welt. "Ich kann getötet werden", erklärt man, und leise denkt man dazu: "Weil ich den oder jenen töten will." Der Ton müßte in Wahrheit auf dem Nachsatz liegen: "Ich will den oder jenen töten, darum kann ich selber getötet werden." Aber für den Beginn des Krieges, für seinen "Ausbruch", für die Entstehung der kriegerischen Gesinnung unter den eigenen Leuten ist es die erste Fassung allein, die man sich zugibt. Ob man in Wirklichkeit selber der Angreifer ist oder nicht, immer wird man die Fiktion zu schaffen suchen, daß man bedroht wird.
Elias Canetti, Masse und Macht, Die Dopplemasse: Der Krieg, S.82

Dienstag, 26. August 2014

Freunde und Wegbereiter

Nach dem Tod meiner besten Freundin haben ein paar Menschen meinen Weg gekreuzt, die mir nicht nur wohlgesonnen waren, sie hielten sich nur eine kurze Weile in meinem Leben auf, trotzdem waren sie wichtige Wegbereiter, Bahnbrecher für meine schlummernden Talente und Bedürfnisse, denen ich fortan den nötigen Raum zubilligte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich ohne diese Menschen meinen Weg gefunden hätte. Sie hatten also ebenso viel Berechtigung in meinem Leben zu sein, wie meine guten Freunde, auf die ich mich immer verlassen kann, die mir immer zur Seite stehen, bei denen ich mich wohl und geborgen fühle. Es ist schon manchmal seltsam, was das Leben zu welchem Zeitpunkt für einen bereithält.


Montag, 25. August 2014

Das Gewissen der Kriegsenkel und die Beschneidung der Meinungsfreiheit

Anlass zu diesem Artikel gibt mir ein Spiegelartikel über Xavier Naidoo, eine Diskussion darüber gestern auf Facebook und ein darauf folgendes Gespräch mit Katharina aus der Autorengruppe.

Im Spiegel  wurde mit hetzerischen Mitteln und aller Gewalt versucht, Xavier Naidoo ins rechte Lager zu stellen. Die gelieferten Beweise waren dürftig bis gar nicht vorhanden: Zunächst wurde er als Schnulzensänger beschimpft, darauf aufbauend warf man ihm vor auf Montagsdemonstrationen gewesen zu sein, die meines Wissens eher links orientiert sind, zumindest hier in Mainz. Auf einer dieser Demos äußerte Naidoo Kritik an unserer Politik. Vierter Beweis für die rechte Gesinnung Naidoos sollte sein Hasssong gegen Pädophile darstellen. In diesem Zusammenhang wurde er als homophob beschimpft, als seien Homosexualität und Pädophilie das Gleiche. Hier entlarvte der Autor des Artikels lediglich seine eigene Homophobie. Hätte der Artikel in der Bild gestanden, hätte ich mich nicht gewundert, im Spiegel schockieren mich solche Hetzschriften nach wie vor.

Man kann sicher darüber streiten, ob solche Songs, die mit Fäkalsprache arbeiten und Gewalt in ihrer vollen, unmittelbaren Härte ohne Werturteile präsentieren, jugendfrei sein sollten, weil sie missverstanden werden könnten oder fehlinterpretiert, aber das Benennen der Gewalt an Kindern und die dazugehörigen Rachegefühle/-phantasien der Opfer, die in der Folge ebenso gewalttätig sind, müssen erlaubt sein. Das bricht ein Tabu, verstößt gegen den guten Geschmack, für (ehemalige) Opfer massiver Gewalt sind solche Songs aber ein Sprachrohr und Ventil, das sie ansonsten vergeblich suchen.

Da diese massive Gewalt gegen Kinder, die Naidoo besingt, vor allem in satanistischen und germanofaschistischen Gruppierungen üblich ist, könnte man unter diesem Aspekt den Song sogar als gegen Rechts bezeichnen.

Was mich aber am meisten erschreckt, unsere Generation, die Generation der Kriegsenkel, die die Schuld unserer Großelterngeneration aufgebürdet bekommen hat, weil diese sich nicht adäquat mit den Kriegsverbrechen und den dazugehörigen Verlusten auseinandergesetzt hat, ist immer wieder anfällig, sich von solchen Artikeln aufhetzen zu lassen, ohne sie auf ihre Richtigkeit zu überprüfen.

Dieser Kriegskomplex der Kriegsenkel wird von den Medien schamlos ausgenutzt, um Menschen mundtot zu bekommen und abzusägen, da reicht oftmals ein einziges falsches Wort, um einen Prominenten oder Politiker ins Aus zu katapultieren. Besonders erschreckend ist hier, dass von den Medien immer weiter die Meinungsfreiheit beschnitten wird, sobald es jemand wagt Kritik in der Öffentlichkeit zu üben, insbesondere an der Politik,  dann ufern Beschimpfungen über eine angebliche Radikalität zur Zeit dermaßen aus, dass man inzwischen von einer totalitären Beschneidung der Meinungsfreiheit reden kann.

Das über die gesamte Kindheit eingetrichterte schlechte Gewissen, das wir gefälligst für unsere Großeltern stellvertretend haben sollten, ohne jedoch die dazugehörigen Erlebnisse gehabt zu haben, um es einordnen zu können, führt tatsächlich bei vielen zu einer Wahrnehmungsverzerrung, sodass sie statt der  Beschneidung der Meinungsfreiheit, dann überall Nazis sehen, wenn ein Journalist mit dem Finger auf kritische Menschen zeigt.

Eins haben solche Journalisten aber vergessen, wir haben auch eingetrichtert bekommen, wenn Anzeichen totalitärer Macht wieder aufflammen, wie das Beschneiden der Meinungsfreiheit, diese zu erkennen und uns dagegen zur Wehr zu setzen.

Hier gehts zum Spiegelartikel:  Xavier Naidoos rechte Thesen: Vom Popstar zum Populisten
Hier zu einer weiteren Stellungnahme zur Beschneidung der Meinungsfreiheit: Political Correctness statt Meinungsfreiheit 
Stellungnahme des Mannheimer Morgen: Naidoo, ein neuer Rechter?

Donnerstag, 21. August 2014

Verherrlichung der totalen Gewalt

Glorifizierung und Indifferenz fördern sich wechselseitig: Verherrlichungen der eigenen Gewalttat werden noch unbedenklicher, noch ungestörter möglich, wenn der Gegner ein Nichts ist - wenn auch ein gefährliches Nichts -, dessen Gegenmotive gar nicht in einen Vergleich eintreten können. Umgekehrt wird der andere für den Töter umso gleichgültiger, je mehr die eigenen Ideale und Heldentaten den gesamten Konflikt überstrahlen. 
 Heinrich Popitz, Phänomene der Macht, Das Syndrom der totalen Gewalt, S. 74

Montag, 18. August 2014

Twitteratur - eine Anthologie - Edition Das Labor

Matthias Hagedorn hat eine Anthologie zum Thema Twitteratur bei der Edition Das Labor herausgegeben. Neue und alte Autoren kommen hier zu Wort. Von Begeisterung bis hin zu scharfer Kritik reichen die Texte über das neue Medium Twitter, das Literaten herausfordert, sich kurz zu fassen und ihre Texte auf 140 Zeichen zu reduzieren. Matthias Hagedorn sieht in den technischen Neuerungen auch eine Chance für scheinbar überholte literarische Formen sowie die Denkgenauigkeit der Spätmoderne.

Autoren der Anthologie sind: Ulrich Bergmann, Karl Kraus, Karl Feldkamp, Laurence Sterne, Ferdinand de Saussure, Jesko Hagen, Friedrich Nietzsche, Michel de Montaigne, A.J. Weigoni und Sophie Reyer, die dieses Jahr den lime_lab gewannen, Tamara Kudryavtseva, Angelika Janz, Michael Gratz, Holger Benkel, Haimo Hieronymus, Peter Meilchen, Franz Kafka, Anja Wurm.

Sehr erfreut und überrascht war ich, als ich Anfang August das kleine, vielfältige Werk aus dem Briefkasten holte. Danke an Matthias Hagedorn, die Überraschung war wirklich gelungen, da ich mit einer gedruckten Ausgabe der Texte nicht gerechnet habe.

Wer Interesse an Twitteratur, eine Anthologie, Hrsg. Matthias Hagedorn, Edition Das Labor, Verlag der Artisten, 2014 hat, kann sie hier bestellen: Matthias-Hagedorn@gmx.de

Blog-Archiv

Follower