Samstag, 16. August 2014

Das Syndrom der totalen Herrschaft


Gewalt und vorzüglich absolute Gewalt gilt als äußerste Steigerung der Überlegenheit über andere Menschen. Verherrlichung des Gewaltakts bedeutet daher die Verherrlichung eines höheren Seins, des Herrschaftsrechtes schlechthin. Die siegreichen Herrscher, die siegreiche Stadt, das siegreiche Volk beweisen durch ihren Sieg ihren Vorrang, ihre Sendung, ihre Erwähltheit. Gewalt wird glorifiziert als Bestätigung der Glorie des Herr-Seins. Heinrich, Popitz, Phänomene der Macht, S. 67

Freitag, 15. August 2014

Genuss oder Askese?

Wieder Sex gehabt. Ohne Kondom. Russisch Roulette, doch die Hormone, wie immer. Blöde Ausrede sagen Sie, ja, blöde Ausrede, stimmt, pflichte ich bei. Ich esse auch pestizides Gemüse, Hormonfleisch, rauche dafür aber ohne Zusatzstoffe und trinke Biowein. Am häufigsten war ich wegen Sportverletzungen beim Arzt, der Rest, hm, bringt mich irgendwie nicht um, da kann ich tun, was ich will.  Ich sei ein ekelhaftes Genussschwein, weil ich die mediale Askese nicht teile, als guter Europäer sollte ich nicht rauchen, nicht trinken, kein Fleisch essen, eigentlich auch keine Fleischprodukte, sollte schlank sein und Sport treiben, nur noch Cybersex haben, auch damit die NSA etwas gegen mich in der Hand hat, schließlich belaste ich ansonsten das Gesundheitssystem über die Maße hinaus, zumindest als Kassenpatient, Sie haben Recht. Nur wissen Sie, ich war für die Dressur noch nie so geeignet, die politische, die mediale, die wissenschaftliche, wissen Sie, irgendwie überlasse ich das asketische Dressiertwerden lieber anderen und lebe, denke  ... manchmal auch nicht ... ich weiß, das kommt heute einem Verbrechen gleich, aber, aber, irgendwie bin ich dann doch lieber ein Verbrecher ...

Einforderung des nackten Lebens


Zitat: Die Sache ist die, daß ein und dieselbe Einforderung des nackten Lebens in den bürgerlichen Demokratien zu einem Vorrang des Privaten gegenüber dem Öffentlichen und der individuellen Freiheiten gegenüber den kollektiven Pflichten führt, in den totalitären Staaten dagegen zum entscheidenden politischen Kriterium und zum Ort souveräner Entscheidungen schlechthin wird. Und nur weil das biologische Leben mit seinen Bedürfnissen überall zum "politisch" entscheidendem Faktum geworden ist, besteht überhaupt die Möglichkeit, die sonst unerklärliche Geschwindigkeit zu begreifen, mit der in unserem Jahrhundert die parlamentarischen Demokratien in totalitäre Staaten haben umstürzen und die totalitären Staaten sich beinah ohne Übergangslösung in parlamentarische Demokratien haben umwandeln können. In beiden Fällen vollzogen sich die Umbrüche in einem Umfeld, wo die Politik sich schon seit längerem in Biopolitik verwandelt hatte und wo der Einsatz nunmehr bloß darin bestand, zu bestimmen, welche Organisationsform sich für die Pflege, die Kontrolle und den Genuß des nackten Lebens am wirksamsten erweisen würde. Wenn das nackte Leben zur fundamentalen Referenz geworden ist, verlieren die traditionellen politischen Unterscheidungen (wie jene zwischen rechts und links, Liberalismus und Totalitarismus, privat und öffentlich) ihre Klarheit und Intelligibilität und treten in eine Zone der Unbestimmtheit. Auch das plötzliche Abdriften der Klassen des Exkommunismus in den extremsten Rassismus (wie in Serbien mit den Programmen der "ethnischen Säuberung") und die Wiedergeburt des Faschismus in Europa haben hier ihre Wurzeln. Giorgio Agamben, Homo sacer, Die souveräne Macht und das nackte Leben, S. 130

Donnerstag, 14. August 2014

Humanismus und Terror

Die Probleme der Politik rühren daher, daß wir alle Subjekte sind und dennoch die Anderen als Objekte ansehen und behandeln.

M. Merleau-Ponty, Humanismus und Terror

Mittwoch, 13. August 2014

Die Doppelmasse: Der Krieg II

Aber nie ist der Krieg ein wirklicher Krieg, wenn er nicht zuerst auf einen Haufen von feindlichen Toten zielt.

Elias Canetti, Masse und Macht, Die Doppelmasse: Der Krieg, S.77

Dienstag, 12. August 2014

Die Doppelmasse: Der Krieg

Es ist die wachsende Masse der Nachbarn, der man im Kriege entgegentritt. Ihre Zunahme ist an sich beängstigend. Ihre Drohung, die im Wachstum alleine schon enthalten ist, löst die eigene aggressive Masse aus, die zum Krieg drängt.

Elias Canetti, Masse und Macht, Die Doppelmasse: Der Krieg, Fischer 2011, S. 77

Montag, 11. August 2014

Hetzmassen

Die Hetzmasse bildet sich im Hinblick auf ein rasch erreichbares Ziel. Es ist ihr bekannt und genau bezeichnet, es ist auch nah. Sie ist aufs Töten aus, und sie weiß, wen sie töten will. Mit einer Entschlossenheit ohnegleichen geht sie auf dieses Ziel los;

Elias Canetti, Masse und Macht, Hetzmassen, S. 54

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