Sonntag, 3. Juni 2012

Kellerräume

Ein kleiner Ausschnitt aus meiner Geschichte Kellerräume:

Tastend schleppte sie sich durch die modrige Dunkelheit. Hangelnd am feuchten Gemäuer, einen Weg suchend, nach einer Lichtquelle Ausschau haltend, schlich ein Angstschauer ihren Rücken hinab und entfaltete sich allmählich über den Boden im gesamten Gewölbe.
Fäkaliendämpfe stiegen ihr in die Nase. Sie hielt inne, ein Wechselspiel, ungestüme Ranken wucherten in alle Richtungen. Sie drehte sich zur anderen Seite und berührte mit einer Hand eine glitschige Stelle. Ekel ergriff sie, würgend tastete sie sich weiter an unebenen, matschigen Steinen in die andere Richtung, den Ausscheidungen entfliehend. Eine Brise unverdorbener Luft zog an ihr vorüber, ein Fenster, eine Tür oder nur eine schmale Ritze? Frische, Nebel, Herbstwald, klamme Winde suchten ihre Bahn zu Geruchsknospen und Hirnverschlingungen, bald jedoch verband sich die eindringende junge Feuchte mit dem Moder des Kellers zu einem Dunst schmutzig nasskalten Atems in ihrem Empfinden, welcher ihr nach den übelriechenden Schwaden erschien, wie ein staubig würziges Parfum. Die Duftwasserpforte erweckte den Anschein die richtige zu sein, entgegengesetzt zu derjenigen mit Würmern, Insekten und in Dunkelheit wuchernden Gewächsen auf der Notdurft eines Obdachlosen oder eines herrenlosen Tieres.

Follower