Freitag, 22. Juni 2012

Ausstellung hinter der Stirn


Hier ein kleiner Ausschnitt aus meiner Kurzgeschichte "Ausstellung hinter Stirn", die einen experimentellen Stilmix enthält:

Es gab ein Tor, sie wollte schauen, eindringen, die Wirrungen betreten, erörtern, anfassen, auseinander nehmen, vielleicht ordnen. Er kam, klingelte, sein bezauberndes Lächeln lenkte ab von den Inhalten, den Motiven, den Verschlingungen hinter seiner Stirn. Immerhin war er gekommen, auch wenn sein Lächeln das Wesentliche in Nebel hüllte, verdunkelte, es sich verflüchtigen ließ. Die Nelke - brachte sie Licht ins Vordergründige, ein Friedensangebot oder war sie ein manipulatives Spiel, eine Finte, sollte den Blick verschleiern, verhüllen, das Wesentliche verdecken? Versteckte er sich hinter Blumen, Charme und Liebesnächten, nicht nur bei ihr?

Der Wille war stark, das Fleisch fand sich inmitten heißer Umarmungen und Liebkosungen, ließ das Wesentliche schrumpfen zu einem winzigen Punkt in einer dunklen Nische. Die sich ausbreitende Wollust hinter ihrer Brust, die durch Leidenschaft ertränkten Gedanken, die verflogenen Zweifel, verschmolzen zu einem violett - violinen Orchester im Sopranissimo und verliefen sich in paradiesische Höhen.

Sie nippte an ihrem schweren roten Wein, ihre Gedanken begannen sich zu formen, erneut Zweifel freizusetzen, Bewusstsein stellte sich allmählich wieder ein weiter auf Kulturnotizen

Anja Wurm

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