Freitag, 15. August 2014

Einforderung des nackten Lebens


Zitat: Die Sache ist die, daß ein und dieselbe Einforderung des nackten Lebens in den bürgerlichen Demokratien zu einem Vorrang des Privaten gegenüber dem Öffentlichen und der individuellen Freiheiten gegenüber den kollektiven Pflichten führt, in den totalitären Staaten dagegen zum entscheidenden politischen Kriterium und zum Ort souveräner Entscheidungen schlechthin wird. Und nur weil das biologische Leben mit seinen Bedürfnissen überall zum "politisch" entscheidendem Faktum geworden ist, besteht überhaupt die Möglichkeit, die sonst unerklärliche Geschwindigkeit zu begreifen, mit der in unserem Jahrhundert die parlamentarischen Demokratien in totalitäre Staaten haben umstürzen und die totalitären Staaten sich beinah ohne Übergangslösung in parlamentarische Demokratien haben umwandeln können. In beiden Fällen vollzogen sich die Umbrüche in einem Umfeld, wo die Politik sich schon seit längerem in Biopolitik verwandelt hatte und wo der Einsatz nunmehr bloß darin bestand, zu bestimmen, welche Organisationsform sich für die Pflege, die Kontrolle und den Genuß des nackten Lebens am wirksamsten erweisen würde. Wenn das nackte Leben zur fundamentalen Referenz geworden ist, verlieren die traditionellen politischen Unterscheidungen (wie jene zwischen rechts und links, Liberalismus und Totalitarismus, privat und öffentlich) ihre Klarheit und Intelligibilität und treten in eine Zone der Unbestimmtheit. Auch das plötzliche Abdriften der Klassen des Exkommunismus in den extremsten Rassismus (wie in Serbien mit den Programmen der "ethnischen Säuberung") und die Wiedergeburt des Faschismus in Europa haben hier ihre Wurzeln. Giorgio Agamben, Homo sacer, Die souveräne Macht und das nackte Leben, S. 130

Donnerstag, 14. August 2014

Humanismus und Terror

Die Probleme der Politik rühren daher, daß wir alle Subjekte sind und dennoch die Anderen als Objekte ansehen und behandeln.

M. Merleau-Ponty, Humanismus und Terror

Mittwoch, 13. August 2014

Die Doppelmasse: Der Krieg II

Aber nie ist der Krieg ein wirklicher Krieg, wenn er nicht zuerst auf einen Haufen von feindlichen Toten zielt.

Elias Canetti, Masse und Macht, Die Doppelmasse: Der Krieg, S.77

Dienstag, 12. August 2014

Die Doppelmasse: Der Krieg

Es ist die wachsende Masse der Nachbarn, der man im Kriege entgegentritt. Ihre Zunahme ist an sich beängstigend. Ihre Drohung, die im Wachstum alleine schon enthalten ist, löst die eigene aggressive Masse aus, die zum Krieg drängt.

Elias Canetti, Masse und Macht, Die Doppelmasse: Der Krieg, Fischer 2011, S. 77

Montag, 11. August 2014

Hetzmassen

Die Hetzmasse bildet sich im Hinblick auf ein rasch erreichbares Ziel. Es ist ihr bekannt und genau bezeichnet, es ist auch nah. Sie ist aufs Töten aus, und sie weiß, wen sie töten will. Mit einer Entschlossenheit ohnegleichen geht sie auf dieses Ziel los;

Elias Canetti, Masse und Macht, Hetzmassen, S. 54

Sonntag, 10. August 2014

Verkehrte Welt - Krieg in der Ukraine

Obama und Merkel drohen offen mit einem militärischen Einsatz in der Ukraine, wollen also aus dem Bürgerkrieg in der Ukraine einen dritten Weltkrieg machen (FAZ), das kündigte sich seit Monaten bereits an, statt Verhandlungen kamen aus dem Westen nur Drohungen.

Zusätzlich zu den seit Monaten stattfindenden Kriegshetzen in deutschen Zeitungen, werden in der Zeit inzwischen volksverhetzende Schriften gegen Russen veröffentlicht, wie man sie bis dato bestenfalls einem rechtsextremen Schmierblatt zugetraut hätte. Zumindest in diesen Zeiten, in denen permanent mit Krieg gegen Russland gedroht wird, Sanktionen bereits eingetreten sind, ist eine solche "Glosse" nicht nur geschmacklos, sondern treibt die Kriegshetzen voran, wenn sie Russen mit dem "Es" (Freud) vergleicht.

Frau Merkel, die ich eigentlich für eine kluge, besonnene Frau halte, ist durch den NSA-Konflikt erpressbar geworden und wird sich alleine aus diesem Grund nicht gegen einen Krieg stellen. Aber was bedeutet die eigene Privatsphäre gegen Menschenleben? Gar nichts.

Krieg, Zerstörung, Übermacht, Totalüberwachung, Tod haben mit westlichen, demokratischen Werten nichts zu tun, sie widersprechen ihnen.

Das Volk stellt sich offen gegen einen Krieg in der Ukraine mit westlicher Beteiligung, das interessiert aber in den angeblich demokratischen Regierungen niemanden.

Ich bin mit westlichen, demokratischen Werten aufgewachsen und habe sie immer geschätzt, deswegen erschüttern mich die totalitären Handlungsweisen der angeblich westlichen Demokratien zur Zeit aufs Äußerste - ich verstehe die Welt nicht mehr - und befürchte wir sind bald wieder an einem Punkt, an dem wir uns für unser Land schämen müssen, ich tue es jetzt schon.

Samstag, 9. August 2014

Macht und Wahrnehmung

Die essayistische Annäherung an das Thema Macht und Wahrnehmung ist am Montag auf KUNO veröffentlicht worden. Aufgrund der Breite der Thematik, kann es sich hier nur um einen kleinen Ausschnitt handeln, der Gegenstand beschäftigt mich aber weiter, sodass zusätzliche Abhandlungen folgen werden.

Angerissen sind zunächst uneindeutige Machtverhältnisse, Macht durch Manipulation und Wahrnehmungsverzerrung, psychische Gewalt/Ausbeutung.

Hier gehts zum Essay: Macht und Wahrnehmung

Blog-Archiv

Follower