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Dienstag, 7. April 2020

Coronatagebuch

Auf dem Spaziergang heute keine Sittenpolizei, die Wege zu eng für ihre Autos. Patrouillen wirkten wenig glaubhaft, der unsichtbare Feind lauerte doch überall.

Kürzlich zog ein Mann seine Maske vom Gesicht, fragte mich nach der Uhrzeit. Die Sittenpolizei, die ein paar Meter weiter in ihrem Auto auf Verstöße wartete, stieg drohend aus. Ein strenger Blick aus meinen Augenwinkeln verjagte sie. Der Polizeistaat irritiert sie noch.

Beim Griechen hinter rot-weißem Absperrband, das nun unsere Straßen, Lokale und Wälder ziert, überbackene Spieße bestellt. Spaziergang, bezahlt, fortgetragen, Sicherheitsabstand eingehalten, aus Plastikgeschirr gegessen; Restaurant 2.0

Samstag, 4. April 2020

Coronatagebuch

Während letztes Wochenende Spaziergänger und Radfahrer die nahen Ausflugsziele noch genossen, sich über die Sonne und das Erwachen der Natur freuten, war die Stimmung heute gedrückt, depressiv, nur wenige lächelten oder sprachen miteinander, vielmehr wirkten die Menschen wie Gefangene bei ihrem Hofgang.

Für gewöhnlich habe ich bereits nach kurzer Zeit des Laufens oder Radfahrens den Stadtwald, den Rhein oder die Felder nahezu für mich allein, doch in den Zeiten der Ausgangsbeschneidung ist es schwer, ruhige Gebiete zu finden.

Die Kirschblüte bricht bereits aus, kein Mensch bemerkte sie, selbst in mir konnte sie heute nicht die übliche Verzückung auslösen, schien sie in ihrer Form doch wie steckengeblieben. Nächste Woche wird die Blüte ihre volle Pracht entfalten und die Plantagen in Weiß tauchen. Heute blieb der Fotoapparat auf dem Gepäckträger.

Im Haus ist es still, kein Frühstück, kein Gespräch tönt von den Balkonen, selbst die Kinder über mir, die sonst am Wochenende gerne einmal durch die Wohnung toben, sind nicht zu hören.

Freitag, 3. April 2020

Coronatagebuch

Ich laufe durch die Stadt, menschenleer, einige wenige, wirken wie vor dem Tod, werden hysterisch, wenn der Bürgersteig zu eng ist, um 2 Meter Abstand zu halten. Der Rest in Endzeitstimmung – alle kurz vor dem Tod, so scheint es. Hineingeworfen in eine Welt von Orwells „1984“ oder Huxleys „Schöne neue Welt“, nur niederträchtiger.

Im Gespräch wirken die Menschen verwirrt, nicht mehr bei Verstand, sie haben nicht mehr alle Sinne beisammen, bemerken es aber noch, entschuldigen sich dafür.

Heute Nacht hatte ich einen Traum, es war alles nur ein Traum, der Wunsch nach Totalüberwachung und Menschenversuchen, das Einschränken der Grundrechte, es war nicht mehr da, ich hatte alles nur geträumt, ein Alptraum, aus dem ich nur aufzuwachen brauchte. Doch zwei Minuten später begriff ich, es war kein Traum, 1984 war in Planung, war Realität geworden, nur wesentlich bestialischer.

Big Brother is watching you. Ich muss beide Bücher noch einmal lesen, ist lange her, Schulzeit. Ja, da schien die Demokratie noch intakt.

Zum Glück stamme ich aus einem Elternhaus und aus einer Schule, die mir das Denken beigebracht haben, nicht das Runterbeten von Vorgebetetem.  Den Kampf um die Demokratie werde ich nicht gewinnen können, dazu hat Angst und Manipulation durch Bilder zu viel Macht, aber ich würde es mir nicht verzeihen, es nicht wenigstens zu versuchen, das bin ich meinen Eltern und auch meinen Lehrern schuldig.

Meine Eltern, meine Freunde, die ich nicht sehen kann, weil sie sich vor Angst in der Wohnung verschanzen. Menschen, die vor einem halben Jahr noch für die Erhaltung der Demokratie kämpften, kämpfen jetzt für Überwachung, Totalitarismus und Menschenversuche. So etwas hätte ich mir in meinen kühnsten Alpträumen nicht vorstellen können, in meinen verrücktesten Geschichten nicht, aber ich war auch nie eine Sciencefictionautorin.

Was Angst aus Menschen machen kann ... wir haben genug Beispiele in Vergangenheit und Gegenwart, aber das Kollektivwissen, das Schwarmwissen, die Intelligenz, die Masse scheint keinen Zugriff mehr darauf zu haben, wie fortgeblasen bei den meisten. Der verordnete körperliche Abstand, die Isolation führen offenbar auch zur Abschottung von Geschichte, Vergangenheit, jüngster Vergangenheit, eigenen Überzeugungen, Wissen und Denken.

Samstag, 25. Januar 2014

Blogbeitrag, Kreativität oder Tagebuch?

Sehr verwundert bin ich, wenn ich beobachte, welche Blogbeiträge bei Lesern besonders gut ankommen. So ist tatsächlich zu bemerken, dass Beiträge, in denen ich über mich selbst erzähle, den größten Anklang finden. Dies wäre für mich nachvollziehbar, wenn ich etwas Spannendes aus meinem Leben von mir gäbe oder berühmt wäre. Beides ist jedoch nicht der Fall. Weder als Schriftstellerin noch als Pädagogin habe ich einen Namen, auch wenn ich im Vergleich zu anderen recht innovativ bin, sicher irgendwann Fachpublikationen folgen und hoffentlich weitere Veröffentlichungen meiner Prosa und Lyrik, ist ein Interesse an Belanglosigkeiten aus meinem Leben völlig unerklärlich. Vermutlich ein Phänomen der heutigen Zeit, das ich einfach nur feststellen kann, das von Medien forciert wird.

Warum ich mir darüber Gedanken mache? Nun, ich überlege derzeit, wie diese Blogbeiträge interessanter zu gestalten wären. Um mich schriftstellerisch weiter zu entwickeln, habe ich vor einiger Zeit begonnen, ein Beobachtungstagebuch zu schreiben, tatsächlich lässt sich feststellen, dass genau dieser individuelle Blick auf die Dinge es ist, der eine Beschreibung interessant macht. Einige Einträge hätten durchaus den Wert für sich stehen zu können. Außerdem habe ich ein Buch bestellt, wie ein philosophisches Tagebuch geführt werden kann. Hier erhoffe ich mir Anregungen, wie ich die eigenen Gedanken/Philosophien ansprechend aufbereiten kann.

Wenn ich den ein oder anderen Eintrag aus diesen Tagebüchern veröffentlichen würde, könnten tatsächlich reizvolle Blogbeiträge entstehen, die nicht lediglich Lückenfüller für unkreative Zeiten oder Phasen, an denen ich vermehrt an weiteren Projekten arbeite, sind. Die konkrete Umsetzung bedarf aber noch einiger Planung. Für Vorschläge bin ich offen, wer also Ideen oder Wünsche hat, kann sie gerne äußern.

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