Freitag, 21. November 2014

Ärztepfusch, Gesundheitsreform oder Absicht?

Schon seit langem, bereits vor den Kürzungen durch die Gesundheitsreformen, beobachte ich einen Trend in der ärztlichen Praxis, Patienten nicht, unzureichend oder grob fahrlässig zu untersuchen und zu behandeln.

Besonders dramatisch gestaltet sich das bei Patienten, die auch eine psychiatrische Diagnose haben. Hier bekommen selbst Menschen mit Krebs schnell einmal ohne Untersuchung die Diagnose "Psychosomatisches Schmerzsyndrom" oder Menschen mit Schlaganfall die Verdachtsdiagnose "Hysterie" (um die Lähmung zu begründen) oder "Verdacht auf Körperhalluzinationen" oder sie werden aufgrund der ungewöhnlichen Körperhaltung zum Orthopäden geschickt. Zwei dieser Patienten befanden sich sogar beim Auftreten der Symptome in der Psychiatrie, also unter ständiger ärztlicher Kontrolle, und wurden trotzdem nicht untersucht und behandelt.

Nicht immer gestaltet es sich so dramatisch wie in diesen Fällen, in denen die Diagnose und Behandlung zu spät kam. Doch vor kurzem erst  hatte ich wieder zwei Klienten, die als Notfälle im Krankenhaus landeten, ein Fall, der von den behandelnden Psychiatern schlichtweg belogen wurde, was die Einnahme der Psychopharmaka betraf, ein anderer, der trotz offensichtlichem MRT (laut Krankenhaus), einfach nicht behandelt wurde. Ein weiterer Fall, der aufgrund einer körperlichen Erkrankung psychiatrische Symptome entwickelte, jahrelang mit Psychopharmaka behandelt wurde, weil er nicht auf körperliche Erkrankungen vor Einleiten der Therapie untersucht wurde.

Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Zum einen gibt es ein altes Vorurteil bei Ärzten, das sich trotz solch dramatischer Fälle weiter hartnäckig hält, das lautet: Wer psychiatrisch erkankt ist, kann nicht gleichzeitig körperlich erkranken.

Eine weitere Tendenz ist zu beobachten:  Während Praxen, die sich mit körperlichen Erkrankungen befassen, immer weiter Gelder für Untersuchungen und Behandlungen von den Krankenkassen gestrichen bekommen, können Psychiater gut an Patienten verdienen, selbst Kassenpatienten bekommen hier Psychopharmaka für mehrere hundert Euro im Monat verschrieben.  Hier nimmt also die Pharmaindustrie ganz massiven Einfluss, ob und wie behandelt wird.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Obwohl Michel Foucault und Thomas Szasz hier bereits hervorragende Arbeiten zum Thema Macht in Medizin und Psychiatrie geleistet haben, spitzen sich die Zustände weiter zu.

Ich möchte dabei jedenfalls nicht weiter tatenlos zusehen, möchte Material sammeln, eventuell Fortbildungen für Ärzte organisieren, Schriften verfassen, damit solch grobe Fehler in der Zukunft vermieden werden können. Für Zuschriften, Tipps usw.bin ich deswegen dankbar.

Wer meine bisherigen Arbeiten zum Thema Macht lesen möchte, kann das auf KUNO tun:

Macht und Wahrnehmung

Größenwahn und Kontrollsucht - Das Ende der Demokratie?

Macht dienen glücklich oder mächtig?

Erfahrungsberichte und Materialien zum Thema Macht in Medizin und Psychiatrie, Auswirkungen der Gesundheitsreformen und der Pharmaindustrie auf die ärztliche Praxis, Lehre und Forschung bitte an.
anjawurm@psychosebegleitung.de
oder an

Anja Wurm
Elsa-Brändström-Str. 10
55124 Mainz

 Berichte und Informationen werden selbstverständlich nur in anonymisierter Form verwendet.

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