Montag, 21. März 2016

Egoismus, Altruismus und das Sein

Sich selbst zu sein, ist ein langer Prozess, der nur durch lange Selbstprüfung gelingt. Nun könnte man annehmen, der reine Egoist besitzt sich selbst, doch tut er das? Indem er nur auf sich bedacht, schließt er den anderen aus und zwar so vollständig, dass er nicht einmal bemerkt, dass er andere nicht fragt, nicht einschließt, nicht bedenkt, also nicht mit ihnen ist. Doch kann jemand, der andere aus seiner Wahrnehmung ausschließt, sich selbst besitzen? Das Bedürfnis nach Kontakt, einem Miteinander, einem Aufeinanderbezogensein, ähnliche Interessen zu pflegen, die Erfüllung des Gebens scheint er nicht zu kennen. In der Abspaltung menschlicher Bedürfnisse kann er nicht sich selbst sein, auch er benötigt einen langen Weg zum eigenen Ich, zum Bedürfnis nach echtem Kontakt, zum Icherleben, das andere nicht ausschließen muss, um eine Daseinsberechtigung zu haben. Derjenige, der mehr für  andere lebt als für sich selbst, der Altruist, auch er kann sich nicht besitzen, nicht er selbst sein, leugnet er ähnlich wie der Egoist, eigene Bedürfnisse, ebenfalls pflegt er keinen wirklichen Kontakt zu seinen Mitmenschen, sondern glaubt nur liebenswert zu sein, wenn er sich selbst opfert und eigene Bedürfnisse leugnet.

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