Sonntag, 18. Oktober 2015

Jean-Paul Sartre - Der Körper

Wenn ich nämlich, nachdem ich "mein" Bewusstsein in seiner absoluten Interiorität und durch eine Reihe reflexiver Akte erfasst habe, es dann mit einem bestimmten lebenden Objekt zu vereinigen suche, das aus einem Nervensystem, einem Hirn, aus Drüsen, aus Verdauungs-, Atmungs- und Kreislauforganen besteht, deren Materie selbst chemisch als Wasserstoff-, Kohlenstoff-, Stickstoff-, Phosphoratome usw. analysierbar ist, begegne ich unüberwindlichen Schwierigkeiten: aber diese Schwierigkeiten kommen daher, dass ich mein Bewusstsein nicht mit "meinem" Körper, sondern mit dem "der anderen" zu vereinigen suche. Denn der Körper, dessen Beschreibung ist soeben skizziert habe, ist nicht "mein" Körper, so wie er "für mich" ist ... Mein Körper, wie er "für mich" ist, erscheint mir nicht innerweltlich. Zwar konnte ich selbst bei einer Durchleuchtung das Bild meiner Wirbelsäule auf dem Schirm sehen, aber ich war eben genau "draußen", innerweltlich; ich erfasste ein völlig konstituiertes Objekt als ein "Dieses" unter anderen "Dieses" , und nur durch eine Schlußfolgerung, führte ich ihn darauf zurück, "meiner" zu sein: er war viel mehr mein "Eigentum" als mein "Sein".
(Jean-Paul Sartre, Das Sein und das Nichts, Dritter Teil, Zweites Kapitel, Der Körper, S. 540)

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