Sonntag, 5. Januar 2014

Schriftsteller, Autor oder Schreibhure

Wenn M. bestimmte Autoren als Schreibhuren bezeichnet, komme ich manchmal nicht drumherum ihm Recht zu geben. Es handelt sich dann um Autoren, die Mainstream oder Unterhaltungsliteratur schreiben. Verfolge ich allerdings deren Profile, so muss ich zumindest annehmen, dass sie solche Werke, die sie schreiben, auch selbst lesen. Es kann sich dabei natürlich lediglich um einen Werbegag handeln, aber das glaube ich inzwischen nicht mehr.

Zunehmend stelle ich fest, dass selbst in meinem Freundeskreis, der hauptsächlich aus hochintelligenten bis hochbegabten Menschen besteht, sich das Bedürfnis breit macht, nach Feierabend nur noch »Schund« zu lesen. Möglicherweise liegt das am Alter, wenn der Kopf den ganzen Tag auf Hochtouren laufen muss, sind viele dann abends zu müde, zu erschöpft, um noch gute Literatur zu lesen, sicherlich auch bedingt durch immer forderndere Arbeitgeber und Stellenkürzungen in unserer Leistungsgesellschaft.

Also möglicherweise ist Mainstreamautoren gar kein Vorwurf zu machen, wenn sie schreiben, wie und was sie schreiben, weil sie selbst bevorzugt Ähnliches lesen. Wenn ein Autor mit dem, was er schreibt etwas verdienen muss oder will, ist er gezwungen sich der Mode anzupassen. Journalisten oder Autoren, die Schreibaufträge entgegennehmen, sehen das sicher weniger eng als Schriftsteller: Es ist ihr Job, das zu schreiben, was andere von ihnen wollen.

Auch früher schon haben Schriftsteller unter einem Pseudonym Groschenromane geschrieben, um Geld zu verdienen.

Für mich persönlich käme so etwas nicht in Frage, aber ich bin auch in der luxuriösen Situation, mein Geld nicht mit dem Schreiben verdienen zu müssen.

Trotzdem bemängelte Frederik meinen Schreibstil, der zwar experimentell sei, aber noch zu sehr an den Leser anbiedernd.
Natürlich habe ich mich real nie dem Leser, den ich gar nicht hatte, angebiedert, trotzdem nehme ich jede Kritik ernst, die ich bekomme und dachte lange darüber nach. Inzwischen bin ich aber zu dem Schluss gekommen, dass mein Schreibstil genau richtig ist, so wie er ist, er möglicherweise sogar eine Schnittstelle darstellt zwischen normaler Literatur und avantgardistischer, der heutzutage nur sehr wenige Menschen folgen können und die selbst den Kopf zu hoch trägt, um andere erreichen zu können. Ich lese es gerne, aber ich möchte nicht so schreiben, ich möchte mit meiner Literatur schon eine Schnittstelle bilden, die für Menschen, die wollen und sich Mühe geben, noch einigermaßen eingängig ist und nicht ausschließlich für die Intelligenzelite schreiben.

Trotzdem sind meine Texte für die gängigen Wettbewerbe noch zu experimentell, zu wenig Spannung und Geschichte, zu  lyrisch für Prosa, sodass ich dort wenig Chancen habe. Jetzt habe ich einen Text geschrieben, der etwas mehr Geschichte enthält und etwas weniger Lyrik, vielleicht habe ich damit bessere Chancen. Bin ich jetzt ne Schreibhure? ;-) :-)

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